„Das war sensationell“ Kita-Kinder in Gera- Thränitz warten auf Garfield und Ottilie

Thränitzer Kindergartenkinder fiebern dem Schlüpfen von zwei seltenen Schmetterlingen entgegen.

So groß war sie, die Raupe des Totenkopfschwärmers: Kinder aus der Kindertagesstätte "Regenbogen" der Volkssolidarität in Gera-Thränitz zeigen die Länge. Tatsächlich maß die am 29. August gefundene Raupe 14 Zentimeter, die zweite war zehn Zentimeter lang. Foto: Sylvia Eigenrauch
So groß war sie, die Raupe des Totenkopfschwärmers: Kinder aus der Kindertagesstätte „Regenbogen“ der Volkssolidarität in Gera-Thränitz zeigen die Länge. Tatsächlich maß die am 29. August gefundene Raupe 14 Zentimeter, die zweite war zehn Zentimeter lang. Foto: Sylvia Eigenrauch

Gera-Thränitz. Nicht mehr lange, dann verlassen Garfield und Ottilie ihre Puppenwiege und unternehmen die ersten Flugversuche. Ein Stück Gardinenstoff überm Verpuppungsbett soll verhindern, dass sie unbemerkt davon flattern.
„Den Schaufelstiel müsst ihr auch noch wegräumen“, hatte Sonja Seidl an jenem 29. August zu den Kindern im Kindergarten „Regenbogen“ in Thränitz gesagt. Beim Zufassen zuckte das grüne Etwas. Eine Raupe lag im Gras. Behutsam wurde sie in einen Eimer gehoben. „Sie fasste sich an wie Kaugummi“, erzählt Moritz. Stolz berichteten gestern auch Lotta, Lilly, Fin, Jasmin, Johanna, Paul, Felix, Mathilda und Benedikt, dass sie die Raupe berührt hatten. Ihre Eltern hatten da mehr Respekt.
Noch am selben Tag durchforschte Kindergartenleiterin Sonja Seidl das Internet und fand heraus, dass die Kinder die Raupe eines Totenkopfschwärmers entdeckt hatten. „Das war sensationell“, erzählt sie davon, wie aufgeregt die Mädchen und Jungen waren. Auf ihrem Schreibtisch legte sie das Lineal an. 14 Zentimeter maß Garfield. Am Montag darauf wurde Ottilie gefunden, die vier Zentimeter kürzer ist und jetzt auch auf dem Küchenfenster von Frau Seidl versteckt in Erde zum Schmetterling wird.
In der Woche nach dem Fund besuchten die Großen das Naturkundemuseum und schauten sich auch Präparate des Totenkopfschwärmers an, der eine Flügelspannweite bis zehn Zentimeter erreicht. 2003 wurde viele Vertreter und 2007 die bislang letzten im Raum Gera gesichtet.
Malte Jänicke, der Vorsitzende der Insektenkundler in der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften Gera, besuchte die Kinder und entdeckte in der Nachbarschaft Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, die Lieblingsspeise der Raupen. Aus Nordafrika wandern die Weibchen nach Europa ein und legen ihre Eier ab. Die Mütter sterben und die neue Generation nimmt normalerweise den Weg zurück. „Aber die beiden schaffen es nicht mehr, weil es über den Alpen schon zu kalt ist“, sagt der Eisenberger Entomologe. Den Kindern hat das noch niemand erzählt. Sie wollen ihre neuen Freunde fliegen sehen. Eine Idee ist, danach die beiden Tiere an das Geraer Naturkundemuseum zu geben und dort zu nadeln. Das wollen Eltern nicht, die zum Elternabend am Mittwoch vorschlugen, Garfield und Ottilie an ein Schmetterlingsmuseum zu geben.
Das Schmetterlingsbuch, das der Geraer Wolfgang Heinicke bearbeitet hat, liegt bei Sonja Seidl griffbereit auf dem Tisch. Plötzlich entdecken die Mädchen und Jungen viel mehr. Das neue Kinderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ ist gerade per Post eingetroffen und Benedikt hat diese Woche eine neue, kleine Raupe gefunden. Am 23. Oktober ist Malte Jänicke noch einmal zu Besuch, zur Bildungswoche im Kindergarten.
Quelle: Sylvia Eigenrauch / 11.10.14 / OTZ

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