Entweder komplett aufzuhören, wofür unter anderem in die Jahre gekommene Stallanlagen an den vier Standorten Kauern, Hilbersdorf, Grobsdorf und Collis mit entsprechendem Aufwand und Personal sprachen.

Kauern. Helle, lichtdurchflutete Ställe, modernste Melkroboter, automatisierte Spaltenputzer, Sandbettwaben vom Feinsten – die Agrargenossenschaft Kauern eG hat in einem Jahr Bauzeit eine der modernsten Milchvieh-Anlagen deutschlandweit geschaffen.

Am 1. August 2016 wurde das ehrgeizige Neubauprojekt gestartet. „Zuvor mussten wir erst einmal sieben alte Hallen abreißen, beräumten unser Gelände mit Güllelagerstätten, Mistplatten, alten Leitungssystemen und begannen mit der Umgestaltung“, blickt Vorstandsvorsitzender Klaus-Jürgen Plötner zurück. Wohlüberlegt wollte das Unternehmen am Altstandort bleiben und nicht auf der grünen Wiese erweitern.

Andere Gründe als viel Geld zu verdienen

Der Neubau gestaltete sich als eine Herausforderung, nicht nur, was die Investitionssumme von 3,1 Millionen Euro betrifft, wovon der Betrieb 80 Prozent selbst finanziert und nur 20 Prozent mit Fördermitteln. Bauen oder nicht, das war die prinzipielle Frage. Noch dazu in einer Zeit, als die Milchkrise begann. „Allerdings hat unsere Entscheidungen weniger mit dem Milchpreis zu tun, denn es ist völlig klar, dass dieser permanent schwankt“, erklärt Plötner. Als einzelner Produzent könne man diese Entwicklung auch kaum beeinflussen. „Eine solche Investition muss andere Gründe haben als die, damit viel Geld verdienen zu wollen“, betont Plötner. Es galt gut abzuwägen: Entweder komplett aufzuhören, wofür unter anderem in die Jahre gekommene Stallanlagen an den vier Standorten Kauern, Hilbersdorf, Grobsdorf und Collis mit entsprechendem Aufwand und Personal sprachen. Auch das politische Umfeld hätte es zu bedenken gegeben. Als Massentierhalter sei man stets in den Schlagzeilen.

„Für den Neubau sprach ein anderer wichtiger Grund. Wir finden, die Milchviehproduktion passt zu unserem Betrieb. Wir sind sehr breit aufgestellt mit Legehennen, Direktvermarktung, einem großen Pflanzenbaubereich, Biogasanlage und Milchvieh. Und wenn wir einen guten Pflanzenbau betreiben wollen, brauche ich den eigenen Humus, den die eigenen Tiere produzieren. Und schließlich fressen die Milchkühe auch solche Kulturen, die gut in die eigene Fruchtfolge passen und diese auflockern. Damit können wir Monokulturen vermeiden“, so Klaus-Jürgen Plötner.

Statt die Kapazität zu erweitern, setzen die Kauerner künftig auf einen gut überschaubaren Tierbestand und eine intensive Betreuung. 285 Tiere werden den neuen Stall beziehen. Auch für diese, versichert der Landwirt, ist die Anlage komplettes Neuland. „Sie können frei im Stall laufen und selbst entscheiden, wann sie fressen, saufen und zum Melken gehen. Jede Kuh, übrigens mit Namen, wird am Roboter eingescannt und mit Leistungsfutter zum Melken gelockt. Leckerli wie für uns die Schokolade am Abend“, meint Plötner schmunzelnd. Per Mikrofon am Halsband beispielsweise wird die Wiederkauaktivität gemessen. Fehlt diese Aktivität, werden die Landwirte wissen, dass etwas mit der Verdauung nicht stimmt. Auch für das Personal – fünf Mitarbeiter – ändert sich einiges. Sie sind dann auf eine Überwachungs- und Kontrollfunktion spezialisiert. Rinderzüchter Uwe Schmidt hat sich in den letzten Monaten intensiv mit der neuen Anlage und Technik beschäftigt, hält die Fäden in der Hand. Am Freitag weiht die Rinderhof Kauern GmbH ihren Milch- und Jungviehstall ein und bietet der Öffentlichkeit von 12 bis 18 Uhr Informationen und Gelegenheit zur Besichtigung.

Christiane Kneisel / 27.09.17
Z0R0134488703
Quelle: http://gera.otz.de/web/gera/startseite/detail/-/specific/Neues-Milchviehzentrum-in-der-Agrargenossenschaft-Kauern-72972351

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