Starkregen und Überschwemmungen: Das sind die größten Schäden in Gera

Besonders schwer hatte es durch den Starkregen den Gasthof und die ehemalige Wassermühle in Collis getroffen.
Foto: Peter Michaelis / Archiv

Erste Aufräumarbeiten wurden bereits abgeschlossen. Die Schadensliste ist lang.

Durch das Geraer Tiefbau- und Verkehrsamt sowie den Bauhof wurden am Mittwoch und Donnerstag die durch den Starkregen und die Überschwemmungen verursachten Schäden im Detail erfasst, informiert die Stadtverwaltung. 

Die Überschwemmung verursachte starke Aufschwemmung in der Salzstraße, im Ortsteil Liebschwitz, der Straße Am Iltis und dem Rudolf-Behr-Weg. Weitere Abschwemmungen in kleinerem Umfang wurden zudem in den Ortsteilen Collis, Thränitz, Naulitz, Langengrobsdorf, Cretzschwitz und Söllmnitz festgestellt. 

Die Aufräumarbeiten in der Salzstraße wurden am Mittwochmorgen begonnen, im Einsatz war hier eine Kolonne des Bauhofes mit Bagger, Radlader und Transporttechnik. Kleinere Abschwemmungen wurden parallel durch weitere Mitarbeiter des Bauhofes manuell beseitigt. 

Zusätzlich wurden entsprechende Aufträge für Kehrmaschineneinsätze ausgelöst.

Quelle: TLZ

Höhere Entschädigung für Mitglieder der Wasserwehr

Mehrheit der Stadtratsmitglieder stimmt dem Beschluss zu – Andreas Kinder (CDU) äußert Bedenken

Besonders schwer hat das Unwetter den Gasthof und die ehemalige Wassermühle in Collis getroffen.  Peter Michaelis

Auf der Tagesordnung der letzten Stadtratssitzung in Gera vor der Sommerpause am Mittwochabend stand unter anderem das Thema Wasserwehrsatzung, das aufgrund des Unwetters in der Nacht zuvor und dem Übertritt einiger Flüsse in Gera und Umgebung an Aktualität nicht zu übertreffen war.

Im Dezember 2020 wurde Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) vom Stadtrat beauftragt, die Änderung der Wasserwehrdienstsatzung vorzubereiten. Der Stadtrat forderte die Verwaltung auf, eine Anpassung der Entschädigungshöhen für die Mitglieder der Wasserwehr vorzunehmen.

Grund für diese Änderung ist, dass der Stadtrat im Oktober vergangenen Jahres eine neue Feuerwehrsatzung beschlossen hatte, in der auch eine Aufstockung der Vergütung für Aufwendungen im ehrenamtlichen Feuerwehrdienst festgelegt wurde. Da sich die pauschale monatliche Vergütung der Abschnittsleiter der Wasserwehr und deren Stellvertreter aber auf die alte Feuerwehrsatzung bezog, musste die Aufwandsentschädigung der Wasserwehr aufgrund der gleichen Rechtsprechung gemäß Thüringer Wassergesetz ebenfalls angepasst werden. Das bedeutet, dass die Abschnittsleiter 85 Euro und deren Stellvertreter 42,50 Euro erhalten, die weiteren Mitglieder der Wasserwehr sollen ab Einberufung durch den Katastrophenschutzstab pro Einsatztag 20 Euro bekommen.

Die Mehrheit der Stadtratsmitglieder stimmte dem Beschluss zur Änderung zu.

Andreas Kinder (CDU) stimmte indes gegen den Beschluss. Er stellte die Frage in den Raum, wieso ein Wehrleiter, der mit zwei Schulungstagen auskomme, genauso viel bekommen soll wie etwa ein Verbandsführer bei der freiwilligen Feuerwehr, der eine mindestens 29-tägige Ausbildung durchlaufen muss.

Oberbürgermeister Vonarb berichtete, dass am Mittwochabend die Wasserwehr im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits im Einsatz war. Anfang Juli seien die Fördermittel in Höhe von 37.500 Euro für Beschaffung der Erstausstattung angekommen, die nun schnellmöglichst vorgenommen werden soll, sagte Vonarb.

Schlammlawinen

von Christiane Kneisel und Ilona Berger

 Fotos: Peter Michaelis
 Fotos: Peter Michaelis

Starkregen am Dienstagabend hat in Teilen Geras zu zahlreichen Schäden geführt. Feuerwehr und THW waren pausenlos im Einsatz, um Wasser aus vollgelaufenen Kellern, Garagen, Häusern und von überfluteten Straßen abzupumpen sowie Schlammlawinen zu beseitigen, Fahrzeuge zu bergen oder umgestürzte Bäume zu beseitigen.Gera-Liebschwitz

Glück im Unglück hatte Jens Jaskosch. „Ich bekam gegen 20.30 Uhr einen Anruf, dass die Wipse übertritt. Also bin ich schnell zum Garagenkomplex in der Untitzer Straße. Der war völlig abgesoffen. Das Wasser stand 30 Zentimeter hoch. Ich konnte mein Auto in Sicherheit bringen“, erzählt der 37-Jährige. „Mich erinnert die Situation ans Hochwasser 2013.“

Gegen 22.30 Uhr sei das Wasser zurück ins Bachbett. Am Mittwochmorgen kehrte er den Schlamm, der teils angetrocknet war, raus. Auch Marco Rosenberg musste die Garage säubern. „Als das alles passierte war ich auf Arbeit, mit dem Auto.“

„Innerhalb von einer Stunde fielen über 40 Liter Wasser auf den Quadratmeter“, schätze Christian Hollandmoritz ein. Weiter berichtet der Ortsteilbürgermeister von Liebschwitz: In wenigen Minuten schwoll die Wipse an. Um 20 Uhr trat sie über die Ufer. Das Wasser floss teilweise den Rudold-Beer-Weg und die Salzstraße lang. Dort nahm es zwei Autos mit.“ Einige Keller von Anliegergrundstücke seien vollgelaufen. „Die Leute waren völlig überrascht und hilflos.“

Um weitere Schäden zu verhindern, war auch Freiwillige Feuerwehr Liebschwitz vor Ort. Die Innenräume des Kindergartens konnte geschützt werden, aber der Außenbereich wurde zerstört. Jetzt laufen die Aufräumarbeiten.Collis, Thränitz, Stern

Neben Wehren von Thränitz und Frankenthal war auch die Freiwillige Feuerwehr Gera-Mitte mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz. So wurde aus dem kleinen Bachlauf in Thränitz in Richtung Grobsdorf ein reißender Fluss und überschwemmte das Gessental. In Collis war der Ortskern voller Wasser gelaufen. Autos wurden aus dem Wasser geschoben, informiert die Wehr auf ihrer Facebook-Seite. Dieter Karius, Ortsteilbürgermeister von Collis/Thränitz/Stern und selbst mit der Feuerwehr im Einsatz, rekapituliert: „Auf den Zubringerstraßen nach Grobsdorf und Naulitz sowie an der Kreuzung zum Ortseingang Thränitz staute sich das Oberflächenwasser und überflutete die Straßen. Von Feldern und Wiesen kam zusätzliches Wasser gelaufen.“ Teils habe es Böschungen und Hänge ausgespült. „Collis hat geschwommen. Der Gessenbach war übervoll. So schnell wie er anstieg, konnte man gar nicht schauen. In der Ortslage stand das Wasser, viele Abläufe schafften es nicht, die Menge aufzunehmen.“ Auch von der Süd-Ost-Tangente sei das Wasser gekommen. Die Pension „Kutschbach“ sei stark getroffen worden, das Aufräumen brauche Zeit.

Bei der Stadtverwaltung nachgefragt, informierte das Umweltamt: „Teils waren es nur 20 Minuten vom Beginn des Unwetters bis zur Ausuferung. Es gab kaum Vorwarnzeit. Erstmals war die Wasserwehr alarmiert worden. Die Gewässer im gesamten Stadtgebiet wurden kontrolliert. Überschwemmungen traten nur am Gessenbach, Wipsebach und Schafgraben auf. Am Mittwoch war der Gewässerunterhaltungsverband im Einsatz und beräumte. Das Tiefbauamt sowie alle Mitarbeiter des Bauhofes waren ganztags zur Schadensaufnahme in Collis und Liebschwitz. Eine vollständige Analyse der Schäden ist am Donnerstag möglich.“ Meine Meinung

Quelle OTZ